http://www.aquanautic-tauchsport.de

Vielen Dank an Matthew für diesen schönen Bericht.

Tauchen ist für mich die optimale Art und Weise einige meiner liebsten Beschäftigungen in Einem zu vereinen, nämlich; Natur, Reisen und Sport. Als Taucher steht einem wirklich die Welt sperrangelweit offen. Nun gut, so fern man es sich finanziell leisten kann. Eben dieser bedauerliche Punkt macht viele Tauchreisen zu einem einzigartigen und unwiederbringlichem Ereignis und man überlegt sich vorher sehr genau wohin man letztendlich eine Reise unternimmt.

 

Seit jeher bin ich aber auch von Haien fasziniert. Nicht weil sie Raubtiere sind, was einen potentiellen Thrill versprechen könnte oder aus einer Sucht nach Gefahr. Nein, vielmehr hatte ich wie die meisten Menschen anfänglich ein völlig falsches Bild, das vom alles angreifenden Mörderfisch, bis ich selbst ganz überraschend Einem beim Schnorcheln begegnete; und überlebte! Ab diesem Moment war ich der Schönheit und Eleganz dieser, mir unter Wasser völlig überlegenen, Räuber erlegen. Und wo kann man hautnah einer Zurschaustellung dieser Eigenschaften am Besten beiwohnen? Ich habe mich für Cocos Island, ca. 600 km südwestlich von Costa Rica entschieden.

Nach einer ewigen aber großartigen Flugreise über Mexico City, landete ich endlich in Costa Rica. Die Übernachtung im Costa Rica Marriott (das ich übrigens sehr empfehlen kann: eine wunderschöne und ruhige Hazienda mit Kaffeeplantage und einem zwar teuren aber hervorragenden Frühstücksbuffet) erlaubte mir, mich ein wenig von den Strapazen zu erholen um am nächsten Tag mit einem Bus zum Hafen nach Puntarenas zu fahren. Nur wenige Schiffe haben die Erlaubnis Cocos Island anzusteuern und meine Entscheidung fiel auf die M/V Argo der Underseahunter Flotte (http://www.underseahunter.com/). Es ist das am besten ausgestattete Schiff und hat sogar ein Mini-Uboot an Bord.

Obwohl die Reise wirklich nicht ein Schnäppchen ist, empfehle ich trotzdem das Extra für die Argo zu investieren. Wenn man mehr als eine Woche auf einem Schiff lebt und ein rigoroses Taucherprogramm absolviert, dazu tropischen Temperaturen und Wetterumschwüngen ausgesetzt ist, dann ist das eine weise Entscheidung. Dabei habe ich beim Obigen noch gar nicht die ca. 36- bis 40-stündige Überfahrt berücksichtigt. Hier gilt, dass Pillen gegen Seekrankheit kein Eingeständnis von Schwäche sind. Es kann durchaus sehr holprig werden auch wenn ich bei meiner Überfahrt sehr viel Glück hatte. Nun aber zum Tauchen selbst.

Am frühen Morgen wird man erstmals mit der berauschenden Kulisse einer von Vögeln übersäten tropischen Insel konfrontiert. Etwas wild, zumindest am Anfang sogar leicht bedrohlich, stellt die bis auf ein Paar Ranger unbewohnte Insel, den einzigen Flecken Land weit und breit dar und ist somit Anlaufpunkt für allerlei Leben. Schon der Einführungstauchgang zeigt , dass hier mehr Fische als sonst irgendwo anzutreffen sind. Schwärme von Süsslippen, Stachelmakrelen und riesigen Stachelrochen vereinnahmen einen unmittelbar und sie ließen mich ein Photo nach dem anderen schießen in der irrigen Annahme, daß dies eine einmalige Gelegenheit und nicht die Norm sei. Nachdem der vierzigste Weisspitzenriffhai vorbeizog und Unmengen von Adlerrochen dauernd präsent waren, begriff ich wie besonders Cocos wirklich ist. Aber ich kam ja wegen der Haie her, insbesondere wegen der Bogenstirn-Hammerhaie.

Das Wasser war erstaunlich warm für einen Mai, was tiefere Tauchgänge zu den Sprungschichten auf ca. 40 Meter bedeutete. Das verwirbelte Wasser deutete die enormen Temperaturunterschiede von bis zu 8°C an und ich war froh mich nicht von der warmen Oberfläche mit bis zu 32°C getäuscht haben zu lassen. 5 mm waren in der Tiefe gerade noch ausreichend aber eine Haube und Handschuhe helfen auch. Apropos Handschuhe; die müssen auf jeden Fall sein denn bei den Strömungen muss man sich festhalten und brennende und nesselnde Viecher sind omnipräsent. Mancher taffe "ich brauche keine Handschuhe" Taucher hatte danach blasenübersäte Griffel.

Nun, zu den Haien. Außer den schon in rauen Mengen vorhandenen Weisspitzenriffhaien trifft man mit größter Wahrscheinlichkeit auf Seiden- und Galapagoshaie. Seltener, jedoch durchaus gesichtet werden der Tiger- und der Silberspitzenhai und natürlich das absolute Highlight: die Hammerhaie. Als beste Orte für Haisichtungen erwiesen sich tatsächlich die Klassiker wie Baja Alcyone und Dirty Rock. Alcyone setzt sich aus den zerklüfteten Spitzen eines Unterwasserberges zusammen, gespickt mit Plateaus und kleinen Canyons. Am Seil taucht man auf ein Plateau ab um sich dann schnell hinter Felsen zu verstecken um auf die Hammerhaie zu warten. Hier, an der Basis des verankerten Seils, waren auch regelmäßig zwei große Galapagoshaie anzutreffen. Sie sind mächtige und bullige Viecher und nicht umsonst verzogen sich die Weisspitzenhaie zügig wenn sie gemächlich vorbei patrouillierten.

Abhängig von der Strömung und der Sicht, tauchten die Hammerhaie wie aus dem Nichts auf um teilweise in zwei Meter Entfernung an einem vorbeizuschwimmen. Bei besonders klarer Sicht erkannte ich eine Gruppe von mindestens 70-100 Tieren etwas Abseits vom Felsen und schlagartig war mir bewusst wie viel um einen herum passiert. In der Stille des Ozeans bekommt man selbst das Meiste aber nicht mit, wirklich nicht! Bei Alcyone war meine Erfahrung, dass die Haie vorsichtiger waren als bei Dirty Rock denn beim Auftauchen sah man oft eine größere Anzahl direkt über den Platz an dem man vorher sich versteckt hatte vorüber schwimmen. Es hätten so fantastische Aufnahmen werden können und manchmal habe ich mir gedacht: Was für Mistviecher!

Bei Dirty Rock war das Wasser immer etwas trüber oder wohlwollend ausgedrückt, planktonreicher. Dirty Rock ist im wahrsten Sinne schmutzig und von tausenden Tölpeln und anderen Seevögeln durch Guano weiß gefärbt. Ein wirklich karger und spitzer Felsen der unter Wasser genauso aussieht. Er fällt relativ steil ab und bietet unzählige Spalten und Felsbrocken an denen man sich festhalten kann. Bei teilweise zehn Meter Sicht ins Blaue oder nach unten in 30-40 Metern Tiefe, schießen die Hammerhaie urplötzlich aus dem Trüben hervor und schwimmen teilweise zwischen den Tauchern hindurch. Hier entdeckte ich auch einen von einer Fangleine umwickelten Hammerhai, was verdeutlicht wie bedroht diese Tiere sind, selbst an so entlegenen und geschützten Ort wie Cocos Island.

Es gibt unzählige Tauchplätze die im Vergleich zu anderen Orten wohl als Spitze gelten würden, bei Cocos Island aber wohl eher die zweite Geige spielen dürfen. Unzählige Tauchplätze, die im Vergleich zu anderen Orten Spitzenplätze einnehmen würden, spielen auf Cocos Island eher die zweite Geige. Ich empfehle auf jeden Fall mindestens einmal den Nachttauchgang vor Manuelita Island mitzumachen. Buchstäblich hunderte Weisspitzenhaie jagen in Felsspalten alles was sich bewegt und anscheinend haben sie gelernt das Licht unserer Lampen für sich zu verwenden. Auch nicht zu unterschätzen ist der riesige Unterwasserbogen bei Dos Amigos oder die einzigartigen Rotlippen Fledermausfische bei Silverado. Natürlich sollte man die Gelegenheit nutzen die Insel zu erkunden: das Bad unterm Wasserfall entspricht auf jeden Fall jeglicher kitschigen Vorstellung vom tropischen Paradies.

Auch die Abende waren von magischen Sonnenuntergängen geprägt und ich bin beinahe jeden Tag mit dem Kajak hinausgefahren um diese zu bewundern. Mehrmals näherten sich Delfine und machten diese Momente umso unvergesslicher. Als Highlight muss eine Begegnung der besonderen Art auf unserem Heimweg gelten. Nachdem wir etliche wandernde Wale auf große Entfernung gesichtet hatten, trafen wir auf eine kleine Schule Orcas, vielleicht auch besser bekannt als Killerwale. Einer näherte sich dem Schiff bis auf einige Meter und ich muss zugeben, dass ich froh war ihm nicht unter Wasser begegnet zu sein. Warum? Nun ja, erstens war dieses Exemplar ungefähr sieben Meter lang und zweitens zeigte die Art und Weise wie es uns beobachtete und sogar untersuchte, dass es sich dabei um einen sehr intelligenten Zeitgenossen handelte. Mich ihm in seinem Element auszusetzen erforderte einen Mut den ich noch nicht besaß, obwohl ich Orcas keinesfalls für bösartig oder auf Menschenjagd eingestellt halte. Das Erschreckende war die Macht gekoppelt an große Intelligenz und ich habe schon mal gesehen was Orcas mit Delfinen, die grösser sind als ich anstellen können. Ein anderes Mal bin ich vielleicht im Wasser dabei, auf jeden Fall irgendwann.

Wie kommt man aber am besten nach Cocos Island? Mehrere Wege führen nach Costa Rica aber am besten ist es sich von einem kundigen Reiseveranstalter helfen zu lassen. Ich kann jeden nur die Aquaactive Agency (www.*aquaactive*.de/) ans Herz legen, denn der persönliche Service ist unübertroffen, und das schon mehrmals bei Reisen sowohl nach Ägypten oder so weit entfernt wie Palau. Mein besonderer Dank geht da an Carolin, die jeden Wunsch erfüllt hat und jede noch so kleine Frage beantwortete. Sie half mir auch einen anschließenden Erholungsurlaub auf der Nicoya Halbinsel zu buchen und den hatte ich nach dem vielen Tauchen auch nötig. Schlafen und Lesen an kilometerlangen Sandstränden waren ein mehr als würdiges Ende für diesen erfüllten Traum. Herzlichsten Dank auch an Kristian von Aquanautic für alle Hilfe und die tolle Ausrüstung (unbedingt an einen INT- Adapter denken!). Ohne seine Hilfe wäre ich wie Batman ohne Cape und Gürtel, also nur irgendein Typ im Gummianzug.

Ich hoffe wenigstens einen kleinen Einblick gewährt haben zu können. Cocos Island ist trotz der horrenden Preise die strapaziöse Reise wert und ich werde, so bald ich einen Abnehmer für meine Niere und/oder eventuell andere Organe finde, nochmals zurückkehren.

 

Matthew

 
Mittwoch, 22. Februar 2012